3. Schafisheimer Bienen-Symposium

Das 3. Schafisheimer Bienen-Symposium war wieder ein grosser Erfolg, die vielen Mails mit positiven Reaktionen belegen es.

Lesen Sie hier den Fachartikel von Philipp Muntwiler, Journalist BR

«Die Bienen können ihre Wohnung selber bauen»
Am 3. Schafisheimer Bienen-Symposium referierten Gerhard Fasolin und Guido Eich. Viele Imker aus der Schweiz und Deutschland waren angereist, um sich über alternative Wege in der Imkerei zu informieren.

Das grosse Bienensterben sei ein trauriges und aktuelles Thema, sagt Gerhard Fasolin vor über 100  Imkern in der Mehrzweckhalle von Schafisheim (CH). Aber es biete auch Chancen. Bei Fasolin gaben die hohen Verluste im Winter 2002/03, als er vier Fünftel seiner Völker verlor, den Ausschlag, über seine Zukunft als Imker nachzudenken. Er wollte sein Hobby nicht aufgeben. Artgerechte Betreuung mit Naturbau und Schwarmimkerei erschienen ihm als mögliche Alternative. Den Bienen wieder mehr Raum geben ist sein Credo. Auf die Tiere wirken viele Umwelteinflüsse, gegen die der Imker kaum etwas ausrichten kann: Varroa-Milben, Viren, Pflanzenschutzmittel und ausgeräumte Landschaften. Zwar sei man in der Schweiz besser dran als unsere nördlichen Nachbarn. Die Landschaft ist abwechslungsreicher, riesige landwirtschaftliche Monokulturen sind selten. Diese Einflüsse machen den Bienen schon genug zu schaffen. Daher sollte sich der Imker möglichst zurückhalten.

Bienenvölker sind kein Lego-Baukasten
Aber das Gegenteil ist der Fall. «Der Imker macht unbewusst die grössten Fehler», sagt Fasolin und ergänzt: «Er hat es in der Ausbildung nicht anders gelernt. Wir behandeln Bienenvölker wie Lego-Baukästen: Wir zerlegen sie und setzen sie wieder so zusammen, wie wir es für richtig halten.» Das gehe auf Kosten
der Vitalität der Tiere. Daher sollen die Bienen die Waben in ihrer Wohnung selber bauen. Sie wissen genau, was sie brauchen.
Aber was brauchen sie denn? Fasolin fasst seine Philosophie so zusammen: ausreichend Platz im Kasten; genügend Baumöglichkeiten; so viele Drohnen, wie es die Bienen für richtig halten; genug Futter; einen Imker, der nur sehr wenig an den Bienenvölkern manipuliert und das Bienenvolk als Ganzes, als eine Einheit versteht und respektiert.
Der Imker lernt in der Ausbildung, dass Bienenschwärme unbekannter Herkunft vernichtet werden müssen, weil sie Krankheiten übertragen. Das sei einfach nicht wahr, sagt Fasolin. «Im Gegenteil: Ein Schwarm ist der Start eines neuen, gesunden Bienenvolkes. Mittels Schwärmen pflanzen sich die Bienen auf natürliche Weise fort.» Daher sei es wichtig, dass man die Bienen schwärmen lasse. Ein Bienenschwarm nimmt in der Regel keine Brutkrankheiten mit sich. Zudem könnte sich ein krankes Volk über den Naturbau sanieren, weil die Tiere beim Wabenbau viel Wachs verbrauchen und sich so entgiften. In diesem Zusammenhang zitiert Fasolin u. a. auch Dr. Wolfgang Ritter. Fasolin plädiert dafür, einen anderen, artgerechten Umgang mit den Bienen zu finden: «Hinterfragen Sie das, was wir in der Standard-Imkerei machen. Ich rate dazu, die eingefahrenen Wege zu verlassen und sich die Natur zum Vorbild zu nehmen.»

Schlupfreife Brut strahlt Wärme aus
Bienen brauchen sehr viel Raum. An einem Ort lagern sie ihre Pollen- und Honigvorräte, im unteren Teil der Waben brüten sie. Als Imker sollte man darauf achten, das Brutnest nicht zu stören. Das gehe am Besten im Naturbau, ist auch Guido Eich überzeugt. Der Bienenzuchtberater aus dem norddeutschen Celle zeigt den Besuchern des Bienen-Symposiums auf, was sie alles am Flugloch erkennen können. Seine Antwort: «Am Flugloch kann man vieles erkennen. Zum Beispiel: Ist Brut vorhanden? Man braucht nicht den ganzen Bienenkasten auseinander zu nehmen, um das festzustellen.» Ist das Volk warm, ist bereits schlupfreife Brut vorhanden. Ist es kalt, kann es Eier oder Bienenmaden haben, muss aber nicht so sein. Dazu hilft ein Blick auf die Winterunterlagen im Bienenkasten, wo sich allerlei Abfall ansammelt. Sind Wachsplättchen und helle Milben zu erkennen, ist Nachwuchs in Form von Bienenmaden vorhanden. Ein brutloses Volk hat nur dunkle, alte Milben und die Wachsplättchen, die den Deckel der Brutzelle bildeten, fehlen vollständig.
Es gibt eine schnelle Methode, wie nachgeprüft werden kann, ob eine Königin im Volk vorhanden ist: die sogenannte «Klopfprobe». Dazu legt man sein Ohr an den Kasten, klopft einmal heftig gegen das Holz. Ist ein kurzer Summton zu hören, dann ist eine Königin da. Folgt auf das Summen ein längeres Nachgebrummel, ist das Volk ohne Königin. Das funktioniere immer, versichert Eich. Hilfreich ist dabei ein Stück Gartenschlauch, um am Flugloch zu horchen.

Ein Bienenvolk ist ein Verbrauchsartikel
Wenn die Bienen im Frühjahr tote Tiere aus dem Nest räumen und ausfliegen, haben sie mit Bestimmtheit Brut. Wenn sie nur fliegen und die Toten im Nest lassen, ist eine Königin vorhanden, jedoch keine Brut. «Und wenn ein Volk weder fliegt noch putzt, haushaltet es entweder mit seinen Kräften oder ist sowas von tot, dass es nicht mehr fliegen kann.»
Wie bereits sein Vorredner Fasolin ist Eich der Meinung, dass man die Bienen schwärmen lassen soll. Aber wie kann man feststellen, dass sich ein Schwarm ankündigt? «Sind die Wabenkanten im Baurahmen scharf und rauh wie ein Brotmesser, wird das Volk nicht schwärmen», sagt er. «Ist die Kante aber rund, herrscht Baustopp. Ein Schwarm steht kurz bevor.» Man müsse zudem bedenken, dass ein Bienenvolk ein Verbrauchsartikel sei: Pflanzt sich das Muttervolk nicht mehr fort oder beschafft sich nicht mehr genügend Nahrung, stirbt es aus. Dann muss sein Nachwuchs weitermachen. Und der Nachwuchs, das sind die Schwärme. Brutkrankheiten seien die besten Schwarmverhinderer, macht auch Eich nochmals klar. Die Krankheit befällt zunächst die Jungen und bleibt im Muttervolk. Kranke Bienen verlassen den Bienenkasten meistens zu Fuss und nicht fliegend. Auch das kann man am Flugloch beobachten.

Gerhard Fasolin - Guido Eich.       Foto: Muntwyler


Die Artikel zur Spurensuche im Bienenvolk, welche Guido Eich in seinem Vortrag erwähnte, finden Sie hier
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Quellennachweis: Die Monatsbetrachtungen von Guido Eich erschienen 2009 in "Die neue Bienenzucht", dem Organ des LV Schleswig-Holsteinischer und Hamburger Imker e.V.
Ein herzliches Dankeschön an die Herren Hans-Joachim Tödte und Guido Eich sowie an einen Schweizer Jungimker, der dieses PDF so professionell erstellt hat!