Nachlese zum 2. Schafisheimer Bienen-Symposium

gf Das 2. Schafisheimer Bienen-Symposium war geprägt von wichtigen Fragen der Bienengesundheit. Dabei standen weniger pathologische Krankheiten im Vordergrund als die Möglichkeiten, durch besseres Handling, also durch einen natur- und bienengemässen Umgang die Bienen zu fördern. Die anwesenden Imkerinnen und Imker staunten immer wieder, wie einfach es "eigentlich" wäre, mit weniger dafür gezielten Eingriffen ins Bienenvolk, dessen Gesundheit zu fördern, resp. zu erhalten.

Der erste Redner, Dr. Ralph Büchler, Leiter des Bieneninstitutes Kirchhain, stellte die Frage in den Raum, ob viele Bienenkrankheiten die Folge einer nicht naturgemässen Bienenhaltung seien. Dabei kamen einige Kardinalfehler der heutigen Imkerei zu Tage:
• wir platzieren Bienenvölker an ungeeignete Standorte
• wir provozieren Dichtestress, indem wir kranke und gesunde Bienenvölker beisammen stehen haben
• wir manipulieren die Volksentwicklung
• wir unterbinden die natürliche Vermehrung
• wir halten schwache Völker durch Tricks und Medikamente aufrecht
• wir selektieren nicht auf Vitalität

Gemäss Büchler bedeutet naturgemässe Bienenhaltung unter anderem:
• Geeignete Standorte und Standgrösse (Anzahl Bienenvölker am gleichen Standort begrenzen)
• ungestörtes Brutnest erhalten
• intensive Völkervermehrung betreiben
• konsequente Auslese betreiben und Schwächlinge auflösen
• Medikamente so weit als möglich vermeiden

Der Bienenschwarm ist die natürliche Vermehrung des Bienenvolkes. Bienenschwärme sind laut Büchler in der Regel frei von Krankheiten und tragen sehr wenige Varroamilben mit sich. Lassen wir die Bienen schwärmen, erhalten wir gesunden, vitalen Nachwuchs!

Der zweite Redner, Guido Eich, Bienenzuchtberater am Bieneninstitut Celle, hält den Imkern einen Spiegel vor die Nase. In seinem Vortrag "Gut gelernt und falsch gemacht" definiert er drei Typen von Imkern: Der Autodidakt sieht auf irgend einer Veranstaltung einmal Bienen, findet die Bienenhaltung schön und beginnt damit. Zuerst kauft er sich aber die ganze teure Infrastruktur, verliert nach drei Jahren die Lust am Imkern und verkauft alles – oft zum Spottpreis.
Der Familienlehrling, er lernt alles von einem Familienmitglied und bleibt bei diesem Wissensstand stehen.
Der Bienenkursler, er besucht alle Imkerkurse, bleibt aber sein Leben lang ein Stümper, weil er das gelernte nicht anwenden kann.
Eich polarisiert mit seinen provokanten Aussagen einerseits, andererseits regen diese Aussagen zum Nach- und Überdenken der eigenen Betriebsweise an. Einige seiner Schlagworte:
"Willst du mit Nutzen Bienen halten, lerne wie sie lebt und was sie liebt!"
"Wenn bei einem Bauern eine Kuh eingeht, wird die ganze Kuh entsorgt, wenn beim Imker ein Bienenvolk eingeht, wird das meistens noch als Ersatzteillager verwendet: Alte Waben mit Futter und vergammelte Pollenwaben dienen zum Jungvolkaufbau."
Die sehr deutliche Sprache von Guido Eich und die klaren Aussagen von Ralph Büchler haben dazu beigetragen, dass einige Imkerinnen und Imker ihre Freizeitbeschäftigung erfolgreicher gestalten können und werden. Wir schauen bereits gespannt auf das 3. Schafisheimer Bienen-Symposium im Jahr 2011. Auch dann werden wieder brandaktuelle Themen zur Diskussion stehen.