1. Schafisheimer Bienen-Symposium – ein Anlass mit internationaler Beachtung

Dank der Einzelinitiative des Hunzenschwiler Imkers und PR-Fachmannes Gerhard Fasolin kam dieser Anlass zustande – und wurde ein voller Erfolg! Zum 11-jährigen Jubiläum des Schafisheimer Bienenlehrpfades organisierte er das 1. Schafisheimer Bienen-Symposium. Über hundert Imkerinnen und Imker aus dem In- und Ausland versammelten sich am 11. Februar in Schafisheim um den Ausführungen der Referenten zu folgen.

Was auch immer die Gründe für eine Teilnahme waren, seien es die Referenten, das Wetter, die günstige Saison, es hat sich gelohnt. Alle drei Referenten erfüllten die Erwartungen und gaben mit grossem Engagement ihr Wissen weiter.

Gesündere Bienen durch weniger Manipulation?
Den Anfang machte Prof. Jürgen Tautz von der Uni Würzburg. Viele seiner Forschungsergebnisse haben auch Auswirkungen auf die imkerliche Praxis. Eine verblüffende Erkenntnis ist z.B. das lückenhafte Brutnest. Von den Züchtern sind diese Lücken nicht gern gesehen, aber für die Bienen von Wichtigkeit. Sie dienen als lokale Wärmeorte. Oft ist in diesen Brutlöchern auch Nektar zu finden. Einer Arbeitsbiene dient dieser Nektar als Kraftfutter und ermöglicht ihr, die umliegenden Brutzellen zu wärmen. Wärmeerzeuger sind die vibrierenden Flugmuskeln. Sind keine Löcher vorhanden, pressen die Arbeitsbienen ihren Bauch auf die Brutzellen und übertragen die Wärme so.
Eine andere Erkenntnis sind die Auswirkungen der Bruttemperatur auf die Bienen. Die Bruttemperatur wird zwar von den Arbeiterinnen sehr konstant gehalten, variiert aber lokal bis zu 3°C. Das hat Folgen für die späteren Tätigkeiten der Arbeitsbienen. „Warmbienen“ sind gute Innendienstarbeiterinnen aber schlechte Aussdienstarbeiterinnen, für „Kaltbienen“ gilt das Umgekehrte.
Prof. Tautz brachte diese und noch viele weitere Befunde mit Leichtigkeit dem Publikum näher. Seine Erkenntnisse sind aber nicht nur in der wissenschaftlichen Literatur nachzulesen. Ende März erscheint sein Buch unter dem Titel „Phänomen Honigbiene“. Wenn es inhaltlich so gut ist wie der Vortrag, dann dürfte dem Buch der Verkaufserfolg sicher sein.

Der Einfluss artgerechter Bienenhaltung auf die Vitalität der Bienen – imkerliche Praxis
Der nächste Redner war Günter Friedmann. Als Demeter Imker mit gut 400 Bienenvölkern – alle auf Naturbau – macht er eigentlich alles anders, wie es normalerweise empfohlen oder in den Büchern nachzulesen ist. Mit Naturbau sind z.B. auch die aktuellen Diskussionen über die optimale Zellgrösse überflüssig. Königinnenzucht ist nicht erlaubt. Die Volksvermehrung darf nur aus dem Schwarmtrieb heraus erfolgen. Die Kunst ist es, den idealen Zeitpunkt für die Schwarmvorwegnahme zu finden. Lässt sich der Schwarm nicht mehr finden dann hilft laut dem Referenten die Einstellung: „Ich mag den anderern Imkern in der Umgebung einen echten Friedmann‘schen Schwarm gönnen“! Auch mit der Standbegattung scheint der Referent keine Probleme zu haben. Die Bilder zeigen ihn nur mit einem Schleier geschützt und mit blossen Händen an den Bienen hantieren. Die zum Teil etwas philosophischen Ausführungen wurden in der anschliessenden Podiumsdiskussion etwas konkreter. Kurzum: Eine faszinierende Art zu Imkern, aber sicher nicht jedermanns Sache.

Werte erhalten – der Einfluss imkerlicher Praktiken auf die Qualität der Bienenprodukte
Der letzte Redner war Kaspar Ruoff. Als frisch gebackener Doktor der Bienenwissenschaften referierte er über den Einfluss der imkerlichen Praxis auf die Qualität der Bienenprodukte. «Die von den Bienen erreichte Qualität kann durch menschliche Verarbeitung nicht übertroffen werden. Die Qualität der Bienenprodukte kann bestenfalls erhalten werden!» Lautete die Kernaussage seines Vortrages. Aus berufenem Munde einmal mehr die überraschende Erkenntnis: Bezüglich Rückständen in Honig und Wachs liegt der „Schwarze Peter“ nicht bei der Landwirtschaft oder dem Verkehr. Es sind vielmehr die in der Imkerei verwendeten Mittel gegen die Varroa und vor allem gegen die Wachsmotten, die die Lebensmittelchemiker auf Trab halten. Die beschämende Situation in der Schweiz betreffend Paradichlorbenzol als Wachsmottenbekämpfungsmittel wurde erst kürzlich mit Nachdruck angegangen. Mit einigem Erfolg lässt sich glücklicherweise sagen. Auch für den vielerorts verwendeten Melitherm hatte der Referent eine Empfehlung übrig. Es empfiehlt sich den Auffangbehälter für den abtropfenden Honig z.B. in ein Wasserbad zu stellen um eine möglichst schnelle Abkühlung zu gewährleisten.

Fragen konnten den Vortragenden in der anschliessenden Podiumsdiskussion gestellt werden, was auch intensiv genutzt wurde.

Der Schlussapplaus galt nicht nur den Referenten, sondern auch dem Organisator mit der Hoffnung: Fortsetzung folgt!